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side projects
Console
last updated on
december, 27th

 
Console (Martin Gretschmann solo)
Discography:
- Console 12" (Payola)
- pan or rama CD (Payola)
- Rocket in the Pocket LP/CD (Payola)
- Rocket in the Pocket 12" (Payola)
- Songs on compilations:
   "The Day My Favourite Insect Died"
   "Jimmy gimme more"
 
Console:

Indierock geht anders in diesen Tagen 

Da hat ein junger und grundsympathischer Herr einen nicht unmaßgeblichen Teil seiner Zeit damit verbracht, anerkannte Lieblingsbands in die Digitalität einzuführen, um kurz darauf mit selbigem Zug zurück zum Start zu fahren, und verkörpert so wie selbstverständlich jenes "alles ist möglich" der Post-Indie-Zeitrechnung, ohne daß es jemand merkt.

CONSOLE Martin Gretschmann, eine Hälfte des elektronischen Duos KEVIN & PAUL, hat die Bleeps in den NOTWIST-Probenraum geschleppt, den STELLAschen Diskurs elektro-akustisch interpretiert und diversen Bands aus seinem (erweiterten) W-heim-Freundeskreis einen Ausflug auf die Festplatte gegönnt. Gerade veröffentlichte er nun sein zweites Album "Rocket In The Pocket" auf "Payola", die formvollendete Fortsetzung dessen, was die voralpenländische Elektronikfraktion (BLOND, SNOWE etc.) schon vor Zweijahresfrist schlicht Lied nannte. Natürlich funktioniert das auch auf dem Plattenspieler, und natürlich schreit das nach mehr, als nur neben COME in der alphabetisierten Indie-Plattensammlung zu stehen. Der freundlich-einladende Gestus, der Weilheim-Platten seit jeher umschwirrt, schwingt bei "Rocket In The Pocket" sowohl ästhetisch (Super8-Videostandbild-Niedlichkeits-Plattencover) als auch musikalisch immer mit.

Wo andere ganze Nachmittage damit verbringen, den einen oder anderen hübschen Moment von wieder ins Gerede gekommenen Flohmarktplatten zu samplen, macht Martin Gretschmann seinen Pop selbst. Hier wird keine Catchyness suggeriert, die sich hintenrum als affirmativer Umgang mit historischem Tonmaterial bloßstellt, sondern reinstes Pop-Songwritertum auf die digitale Produktionsweise übertragen.

Strophe-Refrain-Strophe-Refrain-Mittelteil-Refrain-Hit. Und ein sichtlich zufriedenes Grinsen vom Künstler inklusive. Martin Gretschmann vereinigt, wenn man so will, PHIL SPECTOR, BRIAN ENO und MARTIN GORE hinter (s)einer Brille. Er schafft es, Plakatives smart zu arrangieren und so vorbehaltlos durch Popdekaden zu wandern, daß Anachron- oder gar Retroismen garantiert draußen bleiben. "Rocket In The Pocket" ist vielleicht gerade deshalb eine fast schon demokratisch zu nennende Platte, weil ihr Urheber auf eine persönliche Plattensammlung verzichtet und das Jagen und Sammeln von heißem Scheiß lieber anderen überläßt.

Wer also die an anderen elektronischen Orten gepflegte Konzeptionalität vorzieht, sollte besser nicht einsteigen. Denn Konsequenz heißt für CONSOLE auch, daß sich ein gitarrenverzerrter Elektropop-Gassenhauer mit Schulparty-Erinnerungsfaktor ("Pigeon Party"), exquisites Echokammer-Listening ("Delay Dackel") oder eine brutal-offensiv produzierte Old-school-Reminiszenz ("Rocket In The Pocket") den Platz auf dem analog wie digital lieferbaren Tonträger teilen. 

Klemens Niedenthal
 

Console
Rocket In The Pocket
(Payola / Community / Virgin)

Im Wohlklang der Störgeräusche. Nachdem Martin Gretschmann das aktuelle NOTWIST-Album mit elektronischen Fluchtlinien verfeinern durfte, ist er nun zum zweiten Mal im Langformat auf sich alleine gestellt. Unter dem Namen CONSOLE repräsentiert er als Exponat seiner Labelheimat Payola undogmatisches Tüftlertum. So zeugt "Rocket In The Pocket" von einem allgemeinen Interesse an Sound, anstatt die vollendete Reinheit einer Spezialwissenschaft anzustreben. Letztendlich funktioniert das so ähnlich wie die in Alliterationen gekleideten Titel mit einer Vorliebe für Tierarten: Wortschöpfungen, die nicht direkt Sinn anbieten, dafür aber gut klingen. Delay Dackel. CONSOLE provoziert Assoziationen mit ausgeruhten Beat-Varianten und transformiert von Clubmusikresten bis hin zu Vibraphonklängen die unterschiedlichsten Fundsachen in seine Zuhör-Elektronik. Dort angekommen, enden die einzelnen Elemente allerdings nicht als Fragmentsammlung. Vielmehr offerieren sie in disparater Einheit den Hörerinnen und Hörern an Stelle spektakulärer Extremlandschaften dicht inszenierte Atmosphärenschichtungen. Abseits von Zitatmaschinen und Zeichenpolitik funktionieren diese Stücke auch nach dem Blick hinter die Kulissen.

Sven Opitz
 
Console
Rocket In The Pocket
(Payola / Community / Virgin)

Das 97er Debüt von Console (aka Martin Gretschmann, Weilheimer-Elektronik-Impressario und mittlerweile Notwist-Festmitglied) fand ich nicht uninteressant, doch ziemlich ungroovy. Jetzt ist alles anders, "Rocket in the Pocket" (Payola/Community/Virgin), die zweite Console ist eine Platte voller Wunder, die man mit dem kopf und/oder den Beinen erleben kann. Voll elektronisch, voll aus der Samplekiste, aber so gut und spannend wie sonst nur bei Mouse on Mars. Friendly electric, frei, funky, breit grinsend. Schlau aber nicht altklug. Höre und erkenne - das sind doch Hits.

Alex Brandt (Visions 10/98)
 
Console
Panorama 
(Payola) 

Im letzten LEESON habe ich schon auf das Erscheinen des ersten Longplayers auf Payola hingewiesen (siehe Artikel zu "Hausmusik"), doch was Console a.k.a. Martin Gretschmann mit "Panorama" vorlegt, hätte ich ich nicht zu träumen gewagt. Bei Notwist für die Samples zuständig, außerdem am Bass für die, trotz elektronischen Spielereien eher konventionell daherkommende Gitarrenband Toxic (Veröffentlichungen auf Kollaps), hat Gretschmann seine Maschinen nun losgebunden und diese haben anscheinend ein Eigenleben entwickelt. Nein, hier geht es nicht um wilde Exzesse, Lärm oder sonst irgendeinen Urschrei-Scheiß der sonst gerne mit Befreiung zusammengedacht wird. Leicht und verspielt klingen die Stücke, blubbern, Flächen, ziepen, Maschinenrhythmus, Doomiges, mitunter tanzbar steht alles gleichberechtigt nebeneinander. Fast so als hätten sich alle kleinen Synthesizer, Expander, Drummachines, Effektgeräte, Sampler etc. zu einem großen Soundgenerator zusammengesetzt (jedes hat seinen Platz) und die organischsten und sakralsten sieben Stücke seit langem geschaffen. Martin Gretschmann blieb lediglich die Aufgabe des Dokumentierens, DAT an - DAT aus. Natürlich klingt das pathetisch, doch genau dieser Pathos ist gewollt und unbedingt nötig hinsichtlich dieses Werkes. Electronic Listening ist hier kein Schimpfwort, keine dumpfe Kategorisierung, sondern einfach nur zutreffend. Wer mehr Console haben will muß sich Blümchen holen, neben Fred is dead und Locust Fudge gehört auch diese zur Remix-Kundschaft von Herrn Gretschmann.

[mh]

17.09.98
 

Console
Rocket In The Pocket 
(Payola / Community / Virgin) 

Natürlich ist es eine Mär, daß man Musik hören muß, um Musik zu machen. Bestes Beispiel: „Console" aka Martin Gretschmann, jüngstes Elektronik-Genie aus hiesigen Breitengraden. Denn wenn man den ganzen Tag Klangforschung betreibt, bleibt wenig Zeit zum Plattenhören. Und trotzdem oder gerade deswegen ist „Rocket in the Pocket" ein Meisterwerk. Stach das Debüt „pan or ama" schon deutlich aus der damaligen Ambientlandschaft hervor, so vollzieht Martin Gretschmann, der seit einem Jahr bei „Notwist" als „Sound-o-naut" fungiert, mit seinem zweiten Album den Schritt in Richtung Pop auf dieselbe intelligent-komplexe Weise. Eine Hundertschaft von Geräuschen, analogen Keyboardklängen, Saxophon-Samples bis zu 80er Jahre Casio-Grooves werden hier zu Stücken verwoben, die in ihrer Vielschichtigkeit einzigartig sind. Und doch läuft immer wieder alles auf das heraus, wofür „Console" seit Anfang an bekannt ist: auf wirklich ergreifend poppige Melodien („Delay Dackel"). Der Hit der Platte heißt aber ohne Frage „My Dog Eats Beats", ein Stück das verdientermaßen in die elektronische Musikgeschichte eingehen wird.

Valerie Trebeljahr