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november, 26th
 
 
the NOTWIST: Weilheimer Strebsamkeit
splitter magazin

Das Phänomen Weilheim ist in der ganzen Republik bekannt und noch immer unerreicht. In diesem winzigen, verkafften Fleckchen Bayerns hat sich eine Community aus strebsamen, jungen Künstlern gefunden, die fast täglich neue musikalische Errungenschaften aus dem Boden stampft. Mit von der Partie (und das mit großem Anteil) sind die in der Indie-Szene (hier und in den USA) geliebten Notwist, die vor einiger Zeit "Shrink" in die Läden stellen ließen, um dem Warten ihrer Fans endlich ein Ende zu setzen. Ich unterhielt mich bereits eine Woche vor Release des Albums (es war Mitte Mai) mit Martin Gretschmann. 
Besagter Martin hat ein Faible für Leonard Cohen. Besonders dann wenn er nach langen anstrengenden Sessions im eigenen Studio zu Hause abspannen und wieder zurück zur inneren Ruhe finden will. Abgesehen von Console ("Rocket In The Pocket" erschienen bei Community/Virgin) widmet er sich auch bei Notwist den elektronischen Ergänzungen, die seit deren Album "12" stetig an Bedeutung gewonnen haben. Doch das sind nicht alle Veränderungen. 
"Wichtig war vor allem, diese Platte ganz anders aufzunehmen als frühere Scheiben", erklärt der Notwist-Neuling. "Dieses Mal wurde nach den eigentlichen Aufnahmen mit einzelnen Instrumenten bzw. den Spuren experimentiert. Sie wurden je nach Lust und Laune verfremdet oder anderweitig verändert. Anschließend fügten wir die Spuren wieder zu einem kompletten Song zusammen. 
Neu sind auch die vielen Jazzeinflüsse, eine Idee, die schon länger in den Köpfen der anderen geisterte, allerdings erst jetzt entsprechend umgesetzt werden konnte." 
Die Weilheim-Connection finanziert ihre Scheiben zum großen Teil aus eigener Tasche, wobei derzeit die Tendenz dahingeht, daß sich einzelne Projekte selbst tragen. Zumindest nach etwa zwölf Monaten sind die Produktionskosten zumeist eingespielt. Neben dem Geld gibt es nur eine einzige Sache, die der Strebsamkeit querschießen könnte: 
"Mein Wunsch ist es, daß die Ideen nie ausgehen und wir noch lange weitermachen können. Ich habe die Befürchtung, daß ich irgendwann aufwache und mein Kopf leer ist. Ideen zu verwerten ist eine Sucht. Alle Ideen werden ja sofort mehr oder weniger verarbeitet. Ich arbeite oft mit Samples und hebe mir nie Ideen auf. Wenn etwas zu einem Song paßt wird es eben eingebaut." Und gerade das macht Martin Angst, denn er hebt keine Ideen für eine etwaige Phase der Rat- und Tatlosigkeit auf. Hoffentlich geht das auf Dauer gut. 
 

Kai Florian Becker