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november, 26th
 
 
Powerline Open air - The NOTWIST spielen auf der Insel  

Gute Gründe, das Open-air- Festival heute nachmittag auf der Insel zu besuchen, gibt es viele. Das Wetter und die schöne Lage zum Beispiel. Der Traditionscharakter des Festivals und das Bemühen der Insel-Betreiber, das Jahr über ein fast durchweg gutes und ambitioniertes Programm anzubieten. Mit wenig Geld, versteht sich, weswegen es auch eine Konzertagentur ist, unter deren Name das Festival in diesem Jahr stattfindet. Und natürlich die Bands: Die Sterne, Stereo Total, The Notwist, eine Art Leistungsschau deutscher Popmusik.  
Weil die ersten beiden in Berlin mehr als gute Bekannte sind, dürfte vor allem die Weilheimer Band The Notwist den höchsten Attraktionsgrad haben. Was so manchen älteren Insel-Gänger zuerst überraschen dürfte: The Notwist, sind die nicht auch schon ewig dabei? Mit einer Musik, die im Augenblick nicht gerade der letzte Schrei ist, irgendwo zwischen US-Gitarren-Underground und deutscher Indie-Tristesse?  
In der Tat, The Notwist gibt es seit 1989, und ihr 1991 veröffentlichtes Album-Debüt hatte all das verinnerlicht, was in den Staaten seit Jahren around war - Melody-Hardcore, verzerrte, laute Gitarren, Dinosaur jr. auf Metalschlingerkurs usw. - und Anfang der Neunziger in Form von Nirvana und Grunge seinen kulturellen und kommerziellen Höhepunkt fand. Das gefiel ebenso wie die darauffolgenden Veröffentlichungen, weil The Notwist in ihren Sound immer eine Verbrechlichkeit einwoben, die nicht von dieser Welt zu sein schien.
So richtig liebhaben tut man sie aber erst jetzt mit ihrem aktuellen Album "Shrink". Nicht einfach weitermachen hieß die Devise, sondern Weiterentwicklung, und das ist in ihrem Fall mehr als nur eine Worthülse. Wachgeküßt durch Talk Talks "The Laughing Stock", begann die Band um die Gebrüder Aicher im Studio mit neuen Klängen zu experimentieren, mit Elektronik und Jazz, mit Bläsern und Tasteninstrumenten. "Shrink" ist nun das ziemlich umwerfende Ergebnis: ein ruhiges, melodiöses, geradezu entspannt wirkendes und in sich geschlossenes Pop-Album, auf dem die neuen Sounds und Teilchen spielerisch und wie selbstverständlich in das Notwist- Universum integriert wurden. Fast ganz verschwunden ist dabei die Brachialität vergangener Tage, sind die Gitarrenwände und Metalbretter. Die zerbrechlichen Momente aber, die schwebend-melancholischen Stimmungen kommen besser denn je zum Tragen. 

"Smells like Postrock" könnte man denken, und der riecht ja manchmal recht vergammelt. Doch wenn sich diese Art von Etikettierung für die "neuen" The Notwist einbürgern sollte, dann braucht man sich um die Zukunft dieser Musik keine Sorgen zu machen. Im Gegenteil: Her damit und mehr davon!  
 

Gerrit Bartels